Logo Hauptsache Kommunikation

Oliver Voss: Ein Seismograf für Werbung

von | 5. Juni 2026

Was macht gute Werbung aus? Warum zündet ein Plakat – und warum geht ein anderes gründlich daneben?

Medienexperte Oliver Voss nimmt genau das unter die Lupe: aktuelle Werbe-Plakate, Spots und Kampagnen aus dem Alltag.

Mit scharfem Blick, konstruktiver Kritik und einer klaren Haltung analysiert er, was funktioniert, was mutig ist – und wo Kommunikation scheitert.

Vor allem aber: Er bezieht seine Community ein und lässt bewusst Raum für unterschiedliche Perspektiven.

Der ehemalige Kreativ-Vorstand der Werbeagentur Jung von Matt ist „einer der kreativsten Köpfe Deutschlands“, schrieb „Die Zeit“.

Er ist Inhaber der Oliver Voss Werbeagentur und Chef der Miami Ad School Hamburg und Berlin, wurde mit zahlreichen Kampagnen, unter anderem für SIXT, Ebay und Nike bekannt.

Sein Instagram-Kanal zählt derzeit mehr als 155.000 Follower. Dort erklärt er an alltäglichen Beispielen, wie visuelle Werbung funktioniert oder warum sie floppt.

Auch Müllabfuhren können sympathisch sein

Beispiele gefällig? Voss bespricht ein Müllauto mit der Aufschrift „Leer Force One“. Da Müllabfuhren für viele als laut und störend wirken, lobt er hier die Methode, wie sie Sympathiepunkte sammelt.

Ein Wortspiel, das zum Schmunzeln bringt, verändert die Wahrnehmung – und zeigt, wie wenig es manchmal braucht, um ein Gefühl ins Positive zu kehren.

Anders gelagert – und deutlich gewagter – ist der Fall von drei Föhnvarianten von Philips mit dem Claim „Flotter Dryer“. Voss weiß: Solche sexualisierten Gags polarisieren immer. Die einen finden es witzig, die anderen problematisch.

Genau hier überlässt er das Urteil nicht allein sich selbst, sondern stellt die Frage an seine Community: „Wer findet diese Werbung witzig? Wer nicht? Und warum?

Mehr als 400 Kommentare zu diesem Bild dokumentieren die Polarität des Motivs. Ein Like haben übrigens knapp 7000 Personen daruntergesetzt.

So gelingt die Kunst des Marketings

Großes Lob verteilt Voss an den Autoverleiher Sixt: Mit dem Sonnenbrille tragenden Emmanuel Macron und dem Spruch „Visit the mountains in Style“ zeigt dieser, wie Marketing im besten Sinne funktioniert.

Denn während die Welt darüber rätselt, warum der französische Präsident seine Rede auf dem Weltwirtschaftstreffen in Davos mit Sonnenbrille hält, hat der Autoverleiher die Lösung: Natürlich ist die Brille eine Frage des Styles, den der Mietwagen formvollendet.

Voss‘ Fazit: „So funktioniert die Kunst des Marketings: Auf eine Chance wittern, die Augen immer aufhalten, sie dann nutzen und direkt am nächsten Tag auf eine witzige Art rausfeuern. So erreicht man hohe Aufmerksamkeit und damit letztendlich Marktanteile.

Dass es nicht immer laut oder provokant sein muss, beweist für Voss ein „Angebrötchen“ von der Bäckerei Kamps. Allein das Diminutiv, also die Verniedlichung des Wortes, sorgt für Sympathie, Nähe und ein gutes Gefühl. Kleine Worte, große Wirkung: Markenloyalität entsteht oft genau dort, wo Sprache Wärme erzeugt.

Auch große Marken scheitern

Hart fällt hingegen sein Urteil bei einem Werbemedium von Coca-Cola aus. Nämlich als Kandidat für die schlechteste Coca-Cola-Kommunikation aller Zeiten.

Ein Aufsteller im Supermarkt will mit „0 Zucker für 2026“ werben – nutzt dafür aber die (schlecht erkennbare) Null der Jahreszahl. Übrig bleibt beim flüchtigen Blick: das Wort „Zucker“ mit einem weißen Kreis.

Die eigentliche Botschaft? Wird null verstanden, so Voss. Zumindest nicht auf den ersten Blick. Ein Lehrstück darüber, dass Ideen zu Ende gedacht sein müssen.

Oliver Voss passt perfekt in unsere Serie, weil er zeigt, worum es in diesem Rennen um die Aufmerksamkeit wirklich geht: nicht um Lautstärke, sondern um Wirkung.

Er scannt Botschaften im Alltag und macht sichtbar, warum manche Ideen zünden, andere polarisieren und wieder andere verpuffen.

Genau diese Mischung aus Analyse, Meinung und Austausch macht ihn zu einer spannenden Stimme in einer Zeit, in der Aufmerksamkeit die knappste Ressource der Kommunikation ist.

Hauptsache Kommunikation